Methodik der Titelprüfung: Liste, Regeln, gemessene Güte
Diese Seite erklärt, woher die Begriffe der Titelprüfung stammen, nach welchen Regeln sie gesucht werden und was wir an diesen Regeln gemessen haben. Wir nennen auch die Zahlen, die für uns ungünstig sind, und die Grenzen der Prüfung. Ein Treffer ist keine Markenverletzung, ein Nichttreffer ist keine Freigabe.
Woher die Liste stammt
Die Liste hat zwei Quellen. Die erste ist der eigene Marktplatzbetrieb seit 2024. Dort läuft eine Prüfung von Angebotstiteln vor der Veröffentlichung, und aus ihren Begriffen und Erfahrungswerten ist der Kern dieser Liste entstanden. Die zweite Quelle sind öffentliche Quellen: Verzeichnisse von Markeninhabern bei Marktplätzen, veröffentlichte Auswertungen zu beanstandeten Angebotstexten sowie Rechtstexte und Leitfäden zu Formulierungen, etwa zur Textilkennzeichnung, zu Umweltaussagen und zu Bioziden. Jede Quelle trägt im Datensatz ihre Fundstelle und ihr Abrufdatum vom 18.09.2026.
Die Stufen aus dem eigenen Betrieb sind dabei bewusst nicht übernommen worden. Sie waren eine Betriebseinschätzung ohne Registerbeleg, und eine Stufe wäre eine Bewertung. Übrig bleiben Fundstelle und Registerauskunft.
Registerabgleich am 18.09.2026
Zu jedem Markenbegriff haben wir am 18.09.2026 im Register nachgeschlagen, über die Einzelauskunft des Deutschen Patent- und Markenamts und die dort geführten Bestände für Unionsmarken des EUIPO und für internationale Registrierungen der WIPO.
| Angabe | Zahl | Bedeutung |
|---|---|---|
| Markeneinträge in der Liste | 333 | 318 Einträge der Kategorie Marke und 15 der Kategorie Zubehörmarke |
| gesuchte Markenbegriffe | 318 | verschiedene Begriffe; die 15 Zubehörmarken sind Zweitfassungen bereits geführter Begriffe und werden beim Suchen mit ihnen zusammengelegt |
| mit Registernummer | 227 | 199 beim EUIPO, 22 beim DPMA, 6 bei der WIPO |
| davon abgerufen | 226 | Eintrag am 18.09.2026 geöffnet und die Angaben übernommen |
| davon unbestätigt | 1 | Nummer aus einem amtlichen Dokument, der Registereintrag war am 18.09.2026 nicht abrufbar |
| ohne Registernummer | 91 | kein Beleg abrufbar, Begriff bleibt in der Liste und wird als unbestätigt gekennzeichnet |
Warum zwei Zahlen: Die Liste führt 333 Markeneinträge, 15 Begriffe stehen darin zweimal, einmal als Marke und einmal als Zubehörmarke. Beim Suchen werden beide Kategorien zu einer Menge zusammengelegt, und der Zwilling fällt beim Entdoppeln weg. Gesucht werden deshalb 318 verschiedene Begriffe. Alle Zahlen auf dieser Seite und im Werkzeug nennen die gesuchten Begriffe, nicht die Einträge.
Die 91 Begriffe ohne Nummer sind im Ergebnis schwächer dargestellt, in der Kopfzeile des Fundes als unbestätigt bezeichnet und tragen den Hinweis, dass kein Registerbeleg vorliegt. Darunter sind alle 24 Begriffe, die nur aus öffentlichen Quellen stammen, etwa Tempo, Inbus, Kniffel und CrossFit. Wir lassen sie in der Liste, weil sie im Handel vorkommen, und wir kennzeichnen sie, weil ihnen der Beleg fehlt.
Umfang der Liste
Die Liste hat 1215 Einträge: 318 der Kategorie Marke, 15 der Kategorie Zubehörmarke, 29 Fälschungsbegriffe, 600 Kontextausnahmen und 253 Formulierungen. Gesucht werden davon 1073 Einträge, darunter 155 der 253 Formulierungen. Die übrigen bleiben dokumentiert, wirken aber nicht, weil sie entweder eine Musterbeschreibung ohne Suchwort sind oder nach der Normalisierung zu Rauschen würden, etwa die Ausdrücke wie, Art, Typ und statt. Weil die 15 Zubehörmarken Zweitfassungen sind, ergeben die 333 Markeneinträge 318 verschiedene Markenbegriffe.
Wie die Regeln arbeiten
Normalisierung
Titel und Listenbegriffe laufen durch dieselbe Funktion: Kleinschreibung, Umlaute in Umschrift, Akzente entfernt, alles außer Buchstaben und Ziffern wird zum Leerzeichen. Aus Kärcher Hochdruck wird kaercher hochdruck, aus Estée Lauder wird estee lauder, aus H und M mit kaufmännischem Und wird h m.
Dass beide Seiten dieselbe Funktion durchlaufen, ist die wichtigste Korrektur gegenüber der Ursprungslogik aus dem eigenen Betrieb. Dort wurde nur der Titel normalisiert, die Begriffe nicht. 16 Begriffe mit Sonderzeichen konnten deshalb nie treffen, darunter Ray-Ban, H&M, Dr. Martens und De'Longhi. Zusätzlich trägt jeder Begriff bis zu zwei Suchformen, die Umschrift und die Kurzform ohne Umlautzeichen, damit ein Titel mit Fjallraven den Begriff fjällräven findet.
Wortgrenzen
Gesucht wird auf dem normalisierten Text. Weil dieser nur Kleinbuchstaben, Ziffern und Leerzeichen enthält, ist die Wortgrenze eindeutig: links und rechts vom Fund steht kein Buchstabe und keine Ziffer. Liegen mehrere Begriffe auf derselben Stelle, bleibt der längste. The North Face Jacke ergibt einen Treffer the north face und nicht zusätzlich north face.
Deutsche Zusammensetzungen
Eine reine Wortgrenzensuche übersieht das zusammengeschriebene Wort. Genau daran ist bei einem anderen Vorhaben der Begriff Serviceassistent durchgerutscht, weil nur nach Service mit Wortgrenze gesucht wurde. Im Handel betrifft das Boschakku, Nikeschuhe, Dysonfilter und Iphonehülle.
Ein Markenbegriff wird deshalb auch im Wortinneren gesucht, aber nur unter Bedingungen: am Wortanfang mit mindestens drei folgenden Buchstaben, am Wortende mit mindestens vier vorangehenden Buchstaben, nie mitten im Wort, nur bei Begriffen ab vier Zeichen und nur, wenn der Begriff nicht auf der Ausschlussliste steht.
Die Ausschlussliste ist Handarbeit und der eigentliche Schutz vor Fehlalarmen. Sie steht in der Liste, nicht im Programm. Belegte Fälle aus dem Lauf gegen 16.180 echte Titel: acer wegen Acerola, audi wegen Audiokabel, dior wegen Diorama, trek wegen Trekkingrucksack, vans wegen Caravans, jura wegen Jurastudium, echo wegen Echolot und deuter wegen Deuterium.
Zubehörkontext
Ein Markentreffer wird als Zubehörkontext ausgewiesen, wenn in den vier Wörtern davor eine Kompatibilitätsangabe steht, etwa passend für, kompatibel mit oder Ersatz für, oder wenn im Titel eines von 74 Zubehörwörtern steht, etwa Hülle, Kabel, Akku, Filter oder Halterung. Der Treffer selbst zählt dabei nicht als eigenes Zubehörwort.
Zu diesen Treffern gehört unverändert der Satz, dass § 23 Absatz 1 Nummer 3 MarkenG die Angabe über die Bestimmung einer Ware nennt und dass nicht bewertet wird, ob sie hier trägt. Damit ist die Vorschrift genannt und nicht ausgelegt. Die Klasse unterdrückt nichts: Der Begriff erscheint mit allen Registerangaben, nur eben mit diesem Zusatz.
Ausnahmen
Zwei Regeln verwerfen einen Fund, bevor er Treffer wird. Verworfene Funde verschwinden nicht, sie stehen im Ergebnis mit Begriff und Grund.
- Ausnahmekontext. Steht zu einem Begriff ein bestimmtes Kontextwort im Titel, fällt der Fund weg. Beispiele: o ring, Dichtung und nbr für ring; Kraftstoff, Pumpe und Motor für diesel; Apfel für apple; Meditation und Yoga für nirvana.
- Produktsignal. 33 Begriffe der Liste sind zugleich Alltagswörter. Sie gelten im Titel nur dann als Marke, wenn ein Produktsignal danebensteht. Der Titel 925 Sterling Silber Herz Ring enthält kein Signal wie Türklingel oder Chime, deshalb ist ring dort kein Treffer. Der Titel Holzeisenbahn Lokomotive Diesel enthält kein Signal wie Jeans oder Parfum, deshalb ist diesel dort kein Treffer.
Der Preis der zweiten Regel ist ein möglicher Fehltreffer: Ein Titel wie Puma Evospeed 3.5 ohne ein Wort wie Schuh oder Trikot fällt durch. Die Signalliste ist deshalb Pflegegegenstand.
Was wir gemessen haben
Regressionsset
Das Regelwerk läuft gegen 218 Titel mit hinterlegten Erwartungen. Lauf vom 18.09.2026: 141 Treffer, 0 Fehlalarme, 0 Klassenfehler, 0 Fehltreffer, Quote 0,00 Prozent. Nach Herkunft: 95 eigene Fälle mit 67 Treffern, 87 Titel aus einer Zuordnungsdatei des eigenen Betriebs mit 72 Treffern, 36 vom Marktplatz abgelehnte Titel mit 2 Treffern.
Diese 0,00 Prozent sind schon durch den Aufbau des Regressionssets zu günstig. Ein Teil der Erwartungen stammt aus einem durchgesehenen Lauf gegen dieselben Titel, dort stehen naturgemäß keine Fehlalarme mehr. Die Zahl zeigt, dass die Regeln stabil sind, und nicht, wie gut sie auf unbekannten Titeln arbeiten. Deshalb haben wir gegen ungesehene Titel gegengeprüft.
Kontrolllauf gegen 3.000 ungesehene Titel
Am 18.09.2026 haben wir 3.000 zufällig gezogene echte Titel geprüft, die nicht im Regressionsset stehen. Ergebnis: 139 Treffer. Beim Durchsehen war genau einer falsch, nämlich Pixel in einem Titel über einen Ballon, wo Pixel den Bildpunkt meint. Das sind 0,7 Prozent der Treffer. Der Fall wurde als Produktsignal für pixel geschlossen und als Fall ins Regressionsset aufgenommen; der Wiederholungslauf ergab 138 Treffer ohne Fehlalarm. Dieser Wert ist der ehrlichere von beiden.
Zweiter Kontrolllauf gegen 400 weitere ungesehene Titel
Ein zweiter Lauf gegen 400 weitere ungesehene Titel ergab 27 Treffer: 22 im Zubehörkontext, 3 Formulierungen und 2 Markentreffer. Einen dieser 27 Treffer halten wir selbst für fraglich. Er steht auf der Pflegeliste für die nächste Fassung. Das Verhältnis zeigt zugleich, wovon die Prüfung im Alltag handelt: Die große Mehrheit der Funde sind Kompatibilitätsangaben bei Zubehör und keine Übernahme einer fremden Marke.
Wirkung des Schärfens
Vor dem Schärfen der Regeln lagen die Fehlalarme bei rund 15 Prozent aller Treffer. Grundlage ist die erste Regelfassung am 18.09.2026 über dieselben Titel, von Hand durchgesehen. Die Zahl ist gerundet und stammt aus dieser Durchsicht, nicht aus einem festgehaltenen Lauf.
Gewirkt haben drei Eingriffe: dieselbe Normalisierung auf beiden Seiten, die Ausschlussliste für Zusammensetzungen und die Regel mit den Produktsignalen. Gemessen ist davon nur die letzte. Ein Vergleichslauf ohne sie ergibt auf dem Regressionsset 151 Treffer und 10 Fehlalarme, also 6,62 Prozent.
Der Pflegegrundsatz dazu: Ein neuer Fehlalarm wird zuerst als Fall ins Regressionsset aufgenommen und dann als Kontextwort, Produktsignal oder Ausschluss in die Liste eingetragen. Das Programm bleibt unverändert. Jede Änderung an der Liste läuft gegen das Regressionsset, bevor sie hier ankommt.
Grenzen
- Keine Bildmarken. Keine Wort-Bild-Marken und keine Logos. Geprüft wird ausschließlich Text gegen Wortmarken.
- Keine Ähnlichkeitsprüfung. Gesucht wird die Zeichenfolge. Nikee, Adibas oder Ray Bam werden nicht gefunden. Klangliche oder schriftbildliche Ähnlichkeit ist Sache einer Recherche.
- Keine Waren- und Klassenprüfung. Dass eine Marke für Klasse 25 eingetragen ist und Ihr Angebot in Klasse 9 liegt, wird angezeigt, aber nicht ausgewertet.
- Keine Einzelfallbewertung. Keine Aussage zur Zulässigkeit, auch nicht mittelbar über Ampeln, Punkte, Stufen oder Reihenfolgen.
- Keine Vollständigkeit. Die Liste enthält 318 Markenbegriffe, das Register kennt Millionen. Im Regressionsset zeigt sich das an den vom Marktplatz abgelehnten Titeln: Musiclily, Wilkinson, Artec, Epiphone, Yamaha, Kawasaki und Subaru stehen nicht in der Liste.
- Nur der Titel. Kein Markenfeld, keine Beschreibung, keine Merkmale.
- Registerstand 18.09.2026. Marken können gelöscht, übertragen oder verlängert werden. Jede Angabe trägt ihr Abrufdatum.
- Keine Rechtsberatung. Die Ausgabe ist eine Fundstellenliste mit Registerauskunft im Sinne einer technischen Auskunft, keine Rechtsdienstleistung.
Änderungsprotokoll
- 18.09.2026. Erstveröffentlichung der Titelprüfung mit der Liste in der Fassung 1.0.0: 1215 Einträge, davon 1073 gesucht, 318 Markenbegriffe, davon 227 mit Registernummer aus dem Abgleich vom selben Tag. Regelwerk 1.0.0 mit 13 Abschnitten. Gemessen am selben Tag: Regressionslauf mit 218 Fällen und 141 Treffern ohne Fehlalarm, Kontrolllauf gegen 3.000 ungesehene Titel mit 139 Treffern und einem Fehlalarm, zweiter Kontrolllauf gegen 400 weitere Titel mit 27 Treffern.
Die genannten Marken gehören ihren jeweiligen Inhabern. Wir stehen in keiner Verbindung zu diesen Unternehmen. Die Namen stehen hier als Beispiele für die Arbeitsweise der Regeln.
Stand: 18.09.2026. Änderungsprotokoll dieser Seite: 18.09.2026 veröffentlicht.